Die Entstehungsgeschichte
Abbildung 11: Die Entstehungsgeschichte der ägyptischen Mythologie, (schreiben.net, 2021)
Gemäss der Website Antike Mythologie entstand die ägyptische Mythologie etwa zur selben Zeit wie die Entstehung von Ägypten und dessen Reich, also ungefähr 3000 Jahre vor Christus. Daher gilt diese auch als einiges älter als die griechische Mythologie. Ägypten befindet sich grundsätzlich komplett in einem Wüstengebiet. Das heisst, dass der Nil das Land mit Leben versorgt, da die Menschen sowie Pflanzen und Tiere auf das Wasser angewiesen sind. Deshalb ist auch klar, dass der Nil eine zentrale Rolle in dieser Mythologie spielt und auch viele Gottheiten mit dem Nil verbunden sind. (Antike Mythologie, 2021)
In der ägyptischen Mythologie gibt es verschiedene Versionen der Entstehungsgeschichte. Grund dafür dürfte sein, dass diese Erzählungen schon sehr alt sind und es früher schwierig war, Wissen weiterzugeben. Die Begründung dafür lautet, dass die Überlieferung über die Jahre hinweg unpräzise wurde und sich dadurch viele unterschiedliche Versionen bildeten. Zudem war es in früheren Zeiten schwieriger, das Wissen einheitlich zu vermitteln, da ein grosser Teil der Bevölkerung noch nicht Schreiben oder Lesen konnte. Dadurch entstanden auch die bekannten ägyptischen Wandmalereien. Durch diese Form konnten sie ihre Bilder und Ideen weitergeben.
Jedoch versucht man, laut Shaw, in dieser Mythologie wiederum Fragen wie „Was passiert mit uns, nachdem wir gestorben sind?“, „Gibt es ein Leben nach dem Tod?“ und „Wie entstand die Welt überhaupt und warum?“. Diese Fragen werden in der ägyptischen Mythologie vor allem versucht zu beantworten, indem man sie zu beweisen versucht anhand von Beobachtungen oder Gegenständen, die im Alltag bereits erscheinen und vorkommen. Letzten Endes sind dies doch alles nur Theorien, denn man kann nicht beweisen, was man nicht sehen kann. (Shaw, 2015, S. 7)
„[…] der Versuch überhaupt, die ägyptischen Mythen zu rekonstruieren-, erinnert an die Aufgabe, ein Puzzle zusammenzusetzten, von dem die meisten Stücke fehlen und jemand den Karton weggeworfen hat.“ (Shaw, 2015, S. 18)
Es gibt unterschiedliche Versionen, die in verschiedenen Städten erzählt wurden. Hier werden die fünf bekanntesten aufgezeigt:
Entstehungsgeschichte Heliopolis: Neunheit der Heliopolis

Shaw erzählt, dass es zu Anbeginn der Zeit nichts als tiefste Finsternis gab. Sie ist zu vergleichen mit dem Chaos der griechischen Mythologie. Sie war überall – jedoch gab es auch noch nichts ausser diesem Urzustand. In dieser Finsternis befand sich nur der älteste Urgott der ägyptischen Mythologie – Nun. Nun galt als das Urgewässer und wird auch in anderen Versionen als Gott des oberen Himmels dargestellt. Nun zeugte durch seinen eigenen Willen den Gott Atum, welcher sich dann aus dem Urgewässer erhob. (Shaw, 2015, S. 21)
In anderen Versionen entstand Atum, laut Shaw, direkt aus dem Urgrund und gilt daher auch als Ewigkeit und Chaos. Deshalb wird auch behauptet, dass irgendwann alles wieder mit Atum enden wird – wie es begonnen hat – mit Finsternis. (Shaw, 2015, S. 24)
Gemäss Selket bildete sich an der Stelle, wo Atum austrat, der Urhügel, worauf er sich dann schliesslich niederliess. Später wurde der Hügel als die Stadt Heliopolis bezeichnet und war damit das erste Land. Atum spuckte als nächstes seinen Sohn Schu aus und erbrach seine Tochter Tefnut. Schu gilt als Gott der Luft sowie als Gott des Sonnenlichtes. Tefnut zählt als Göttin des Feuers und in gewissen Schriften auch als Göttin der Feuchtigkeit. Diese Annahmen wurden in der heutigen Zeit jedoch aus unbekannten Gründen wieder verworfen und Tefnut zählt heute alleinig als Göttin des Feuers. Zusammen mit ihrem Bruder verkörpern sie zum ersten Mal die beiden Geschlechter: männlich (Schu) und weiblich (Tefnut).
Als Schu und Tefnut sich entscheiden von Atum und dem Urhügel weg zu gehen, brach Atum in Tränen aus. Genau aus diesen Tränen entstanden die Menschen. Atum schickte sein Auge auf den Weg, um nach Schu und Tefnut zu suchen. Als es zusammen mit seinen Kindern wieder zurückkam, war es sehr wütend, da es sah, dass es bereits ersetzt wurde durch ein anderes Auge. Atum versuchte es zu besänftigen, indem es dem Auge mehr Kraft und Macht gab und setzte sich das Auge schliesslich wieder ein. Da das Auge nun sehr mächtig war, verwandelte es sich in eine Kobra: die Uräusschlange. Sie sollte die Götter von nun an vor dem Bösen beschützen und verteidigen. (Selket a, 2021)
Laut Shaw beschäftigte sich Atum mit der Schaffung der Welt und bemerkte deshalb nicht, dass seine Kinder Tefnut und Schu ein Paar wurden. Tefnut gebar ihre gemeinsamen Kinder Nut und Geb. Atum war damit nicht einverstanden und schleuderte als Folge Nut ins Universum. Seit je an gilt Nut als Göttin des Himmels und da Geb auf der Erde bleiben durfte, wurde er zum Gott der Erde. Nut und Geb konnten dennoch vier Kinder gebären: Osiris, Isis, Seth und Nephthys. Somit sind jetzt alle neun Götter der „Neunheit von Heliopolis“ vereint. (Shaw, 2015, S. 34f.)
Gemäss Wilkinson war Re wiederum aus dem Urgewässer entstanden und ersetzt ein Stückweit die Rolle des Atum aus der Entstehungsgeschichte «Neunheit von Heliopolis». Zuerst erschuf Atum einen Stein – Benben genannt – der sich in Heliopolis befand. Er wiederum nieste Schu (Gott der feuchten Luft) aus seiner Nase heraus und spuckte und so entstand schliesslich Tefnut (Göttin der trockenen Luft). Re schickte seine Kinder auf Reisen über den grossen Ozean und machte sich daran, die Erde zu formen. Dabei stellte er die sogenannten Ur-Elemente mithilfe seiner Vorstellungs- und Schöpfungskraft her. Er schuf auch Maat, die Göttin der universellen Harmonie. Ihre Rolle soll darin bestehen, Ruhe und Ordnung sowie Harmonie in die entstandene Welt zu bringen. (Wilkinson, 2020, S. 236)
Entstehungsgeschichte von Hermopolis: Achtheit von Hermopolis

Laut Ägypten-Geschichte Kultur war Hermopolis, in einer weiteren Verison, die erste Stadt, die sich als Urhügel aus dem Urgewässer Nun erhob. Unter diesem Urhügel befanden sich insgesamt vier schlangenartige und vier froschartige Götter:
a. Urgewässer: Nun und Naunet
b. Endlosigkeit und Ewigkeit: Huh und Hauhet
c. Finsternis: Kuk und Kauket
d. Weglosigkeit: Tenem und Tenemet
Die Weglosigkeit (Tenem und Tenemet) wurde später ersetzt durch:
i. Leere: Niau und Niaunet
ii. Mangel: Gereh und Gerhet
iii. Unsichtbarkeit (Luft): Amun und Amaunet
Dabei werden die vier männlichen Götter jeweils als froschähnlich beschrieben. Die weiblichen Gegenstücke und meist auch Gattinnen, werden als schlangenartige Göttinnen dargestellt. In dieser Version gibt es also nur acht Schöpfungsgötter und sie gelten als „Achtheit von Hermopolis“. (Ägypten-Geschichte-Kultur a, 2021)
Eine andere Entstehungsgeschichte von Hermopolis beginnt, nach Selket, mit einer Gans. Die Gans legte ein Ei und brach somit die endlose Leere. Aus diesem Ei schlüpfte nun der Sonnengott Re. Es wird auch gemunkelt, dass der ibisköpfige Gott der Weisheit Thot das Ei in Form eines Ibisses selbst gelegt habe. (Selket b, 2021)
In anderen Versionen erschufen, laut Shaw, die Achtheiten eine Lotusblüte im Urgewässer, woraus der Gott Chepre mit dem Aussehen eines Skarabäus-Käfer schlüpfte. Chepre verwandelte sich anschliessend in die Form des Kindesgottes Nefertem. Als dieser seine Augen öffnete, schenkte er der Welt das Licht. (Shaw, 2015, S. 22f.)
Entstehungsgeschichte von Memphis

In dieser Entstehungsgeschichte kommt ein neuer Gott vor: Ptah. Da die Einwohnerinnen und Einwohner von Memphis, gemäss Selket, davon überzeugt waren, dass die Welt durch Herz und Zunge geschaffen wurde, war Ptah dafür bekannt, die Welt durch diese kreiert zu haben. Das Herz soll dabei den Verstand darstellen und die Zunge soll die Ausführung, also das Aussprechen und die Formulierung der Wörter aufzeigen. Dadurch erschuf er den Gott Amun-Re und viele weitere Götter und lehnt sich somit an die Entstehungsgeschichte von Theben an. Ptah gilt als Handwerkergott und in Memphis als wichtigster Schöpfer. Er stellte sich die verschiedensten Götter vor und rief sie durch die Nennung ihrer jeweiligen Namen ins Leben. Durch seine handwerklichen Fähigkeiten bildete er den Rest des Universums und die brachte auch andere Wesen zur Welt mit Hilfe seines Herzes und seiner Zunge. (Selket a, 2021)
Laut Shaw bildet er zusammen mit seiner Gattin Sechmet und ihrem gemeinsamen Sohn Nefertem die Familien Triade in der Entstehungsgeschichte der Stadt Memphis. (Shaw, 2015, S. 26)
Entstehungsgeschichte von Theben

Laut Selket gilt der Gott Amun in Theben als Stadtgott. Amun ist der Gott des Windes und der Fruchtbarkeit. Amun ersetzt in der Schöpfungsgeschichte von Theben die Rolle des Atum. Nach Selket soll sich, dieser Version zufolge, Amun selbst zusammen mit dem Urhügel erschaffen haben. Zudem wird er als Sonnengott gezeichnet durch eine Verschmelzung mit Re zu Amun-Re. Da er sich wie Re in den Himmel begab und von dort aus die Welt, die Menschen und Götter formte, verbanden ihn die Ägyper und Ägypterinnnen mit Re.
Seine Gemahlin ist Mut, sie galt als Mutter der Pharaonen. Sie verdrängte demnach die Gemahlin Amaunet von Amun. Zusammen mit Amun gebar sie Chons, den Gott des Mondes. (Selket a, 2021)
Entstehungsgeschichte von Elephantine
Der Gott Chnum spielt eine ganz zentrale Rolle in der Schöpfungsgeschichte von Elephantine. Gemäss Ägypten-Spezialist ist Chnum der Wächter der Nilquelle und konnte mit Hilfe einer Töpferscheibe aus dem fruchtbaren Schlamm des Nils die Menschen formen. Er wird wie Ptah als Gott des Handwerkes und der Töpferei angebetet. Zudem steht er auch für Fruchtbarkeit, aufgrund des fruchtbaren Nilschlamms und Wassers. (Ägypten-Spezialist a, 2021)
Laut der Website Die Götter wird Nut auch als Mutter aller Gottheiten angesehen und übernimmt daher auch eine zentrale Rolle in der Entstehungsgeschichte. Es ist jedoch nicht bekannt, woher diese Entstehungsgeschichte stammt. (Die Götter l, 2021)