Vergleich der Entstehungsgeschichten

Vergleich der Entstehungsgeschichten

Vergleich der Entstehungsgeschichten

Abbildung 26: Vergleich Entstehungsgeschichte

Bei beiden Mythologien erkennt man in der Entstehungsgeschichte, dass der Ursprung der Erzählungen von einem Urzustand wie der Leere, dem Chaos oder des Urgewässers ausgeht. Aus diesem Zustand heraus formten sich dann die ersten Lebewesen, also die ersten Urgottheiten. Diese Urgottheiten standen somit an der Spitze des Stammbaumes der Götter der jeweiligen Mythologie. Die meisten unter ihnen gebaren auch auf ihre eigene Art Kinder.

Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Entstehungsgeschichten besteht darin, dass sich in beiden Versionen ein Stück der Erde oder die Erde selbst aus dem Chaos oder dem Urgewässererhob. In der ägyptischen Mythologie wurde also der Urhügel erschaffen und in der griechischen Mythologie entstand Gaia, die Personifikation der Erde.
Jedoch war in der ägyptischen Mythologie mit dem Urgewässer zuerst das Wasser vorhanden, bevor der erste Hügel und somit das erste Stück Erde entstand. In der griechischen Mythologie bildete sich zuerst die Erde aus dem Chaos und erst später folgen die ersten Gewässer zusammen mit Pontos und Thalassa.

Es gibt in beiden Mythologien stets Götter und Göttinnen, die in einer gewissen Stadt mehr angesehen werden als in anderen. In der griechischen Mythologie ist dies vor allem der Fall, da die Götter innerhalb derselben Entstehungsgeschichte als Schutzpatron:in oder Namensgeber:in der Stadt gelten. Beispielsweise ist Athene die Schützgöttin und Namensgeberin der Stadt Athen. In der ägyptischen Mythologie gibt es dieses Phänomen zwar auch, jedoch hat dies auch meistens mit einem unterschiedlichen Entstehungsmythos zu tun, welche genau nur diese eine Stadt erzählt. So kann es kommen, dass diese eine Stadt eine Gottheit anbetet und verehrt, welche es in einer Stadt am anderen Ende des Landes nicht einmal gibt.

Der Fakt, dass die ägyptische Mythologie um einiges älter ist, machte es in der Zeit der Entstehung schwieriger, eine ganzländliche, einheitliche Entstehungsgeschichte und Mythologie zu kreieren. Deshalb gibt es sehr viele verschiedene Versionen in der ägyptischen Mythologie, die pro Stadt erfunden und erzählt wurden. So kommt es, dass es viele verschiedene Schöpfergottheiten gibt oder dass die Götter allgemein eine verschiedene Rolle spielen oder gar eine andere Funktion haben. Das ist abhängig davon, welche Version von welcher Stadt gelesen wird.
In der griechischen Mythologie gibt es das zwar auch, nur war es dort nicht so extrem. Es kann auch sein, dass diese Entstehungsgeschichten es schlicht und einfach nicht überlebt haben. Jedoch war es in der griechischen Mythologie viel einfacher, eine einheitliche und grösser verbreitete Entstehungsgeschichte zu kreieren und weiterzugeben. Der Grund dafür ist, dass die griechische Mythologie komplett niedergeschrieben wurde von den Dichtern und später von anderen ergänzt wurde. So kam es, dass in der griechischen Mythologie sich die bekanntesten Versionen wie die des Dichters Hesoid oder die des Homers durchsetzen konnten.
Dadurch gab es auch weniger Komplikationen und Unterschiede bei den Funktionen der Götter und Göttinnen.